Soeben gelesen, was einst ein Rudolstädter Kollege schrieb:

Rechtsanwalt Waldemar Klinghammer aus Rudolstadt. Er hat für das Anwaltszimmer des damaligen Landgerichts Rudolstadt Merksprüche verfasst, die dort seit Ende des 19. Jahrhunderts an den Garderobenschränken und Fensterkreuzen zu lesen waren (leider nicht mehr am Amtsgericht vorhanden)

„Kreuch bald ins Bett, fang zeytig an, Du mußt eyn klares Köpflin han. Schwankst zwischen Neigung du und Pflicht, Horch auff was deynGewissen spricht. Geht eyn Prozeß dir übel aus, Verflucht Mandant deyn ganzes Haus. Doch bringt Fortuna dir Gewinn, Läuft er zu deynem Nachbar hin. Geh deyne Wege scharf und grad, Du bist kein Winkeladvokat. Die arme Eh`bringt wahre Freud`, Erst wann`s Gericht sie wieder scheidt. Verlierst du, laß kein Tränleyn rinnen, Zwo können nit zugleich gewinnen. Schau deyne Acta gründlich an, Sonst bist du eyn verlorner Mann. Prozesstoff ist ein Haufen Mist, Darin ein Körnlein Wahrheit ist. Willst du beim Volk in Achtung stahn, Deyn Maul muß wie eyn Mühlrad gahn. Sey höflich vor Gericht, Das Zähnefletschen lohnt sich nicht. Der Anfang ist allerorten schwer, Beim Anwalt aber zweimal mehr. Schnäuz niemals deynen Gegner an, er ist wie du eyn braver Mann.“

(Quelle: Dieter Gräf NJ 2017, 512, beck-online)